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infotip café morgenrot

Berlin: 30.10. - 17.12.2006

VERANSTALTUNGSREIHE im Café Morgenrot (cafe-morgenrot.de)
DIE GLOBALISIERTE KARTOFFEL
oder: Was haben Lebensmittel mit Globalisierung zu tun?

Dumpingpreise im Supermarkt, Ausschreitungen gegen migrantische ArbeiterInnen im Almeria, Spritzmittelrückstände im Obst, Gentechnik im Soja - was hat das mit uns zu tun? Wir wollen doch einfach nur günstig und lecker essen.
Dank Eine Weltläden wissen wir wie beschissen die Arbeitsverhältnisse im Kaffeeanbau sind. Naomi Klein und Adbusters haben das Thema Freihandelszonen und Sweatshops mit den Lebensrealitäten der Arbeiterinnen dort und unserer Kleidung in Verbindung gesetzt.
Irgendwie finden wir es gut, wenn wir von Aktionen indischer Bauern gegen Gentechnik hören oder Movimento sem terra Land besetzt, aber in was für einem Kontext steht das zu uns?
Diese Reihe im Cafe Morgenrot soll den Blick auf globalisierte Marktverhältnisse erweitern und ihre Vielschichtigkeit erörtern. Es geht um den Griff zur billigen Tomate im Supermarkt, um Patentrechte auf Pflanzen, Garnelen, Menschenrecht auf Ernährung und anderes, denn es gibt keine billigen Lebensmittel, es zahlt immer wer anders dafür.

30.10. - 11.12. AUSSTELLUNG Plastik/Meer.

In der Region Almería, im südspanischen Andalusien, wird auf mehr als 35.000 Hektar Gemüse für den europäischen Markt angebaut. Damit verbunden ist der strukturelle Rassismus und die Ausbeutung von zehntausenden ArbeitsmigrantInnen aus afrikanischen, lateinamerikanischen und europäischen Ländern. Die Basisgewerkschaft SOC (Sindicato de obrer@s del campo) versucht den Widerstand dagegen zu bündeln. In mehreren europäischen Ländern läuft eine Kampagne zum Aufbau sozialer Zentren in der Region, die der Selbstorganisation der MigrantInnen dienen.
Die Ausstellung Plastik/Meer. dokumentiert die Zustände vor Ort als eines von vielen Beispiel für die Auswirkungen industrieller Landwirtschaft weltweit.

Montag 30.10. ab 20 Uhr
Es gibt keine billigen Produkte, es zahlen nur andere dafür
Eröffnungsabend mit der Austellungsmacherin.
Sie erzählt von Almería und industrieller Landwirtschaft im allgemeinen.

Sonntag 5.11. 20 Uhr
Der Garnelenring (D 2005, R: Heiko Thiele & Dorit Siemers, Dok., 55’)
Bitterer Beigeschmack einer Delikatesse: Mangrovenwälder, Artenvielfalt und die Lebensgrundlagen der heimischen Bevölkerung stehen am Rande der Vernichtung. Die industrielle Garnelenzucht in Guatemala und Honduras ist Teil des Puebla Panamá Plans, der wirtschaftlichen Aufschwung und Armutsbekämpfung verheißt. Die Realität spricht jedoch eine andere Sprache: Die Fischerei ist geschädigt, lokale Märkte sind geschwächt, Lebens- und Arbeitsbedingungen haben sich verschärft.
Dokumentiert wird der mutige Widerstand gegen Fremdbestimmung, Landenteignung und Beschränkung von Fangrechten. Denn im Schatten der „Blauen Revolution" stehen ökologischer, sozialer und ökonomischer Kahlschlag.

Mittwoch 8.11. 19 Uhr
Gentechnik?
Mehr als die Hälfte alle Menschen leben auch heute noch in der landwirtschaftlichen Produktion. In den letzten Jahrzehnten hat jedoch die Landflucht wegen Hunger, Unterernährung und Landvertreibung durch die Großgrundbesitzer und Agarkonzerne zu einer Beschleunigung der Verstädterung in den Ländern des Südens geführt. Welche Rolle spielt dabei die Industrialisierung der Landwirtschaft und hier besonders die Gentechnik? Was für wirtschaftliche und politische Interessen verstecken sich hinter der „Schlüsseltechnologie des 21. Jahrhunderts“? Was ist denn eigentlich so gefährlich an der Gentechnik? Und warum sind so viele BäuerInnen im Trikont und neuerdings auch hier in Europa dagegen?

Mittwoch 22.11. 19 Uhr
Biopiraterie ist der Kolonialismus des 21. Jahrhunderts (Vandana Shiva, Alternative Nobelpreis Trägerin).
Biopiraterie ist ein Nord-Süd-Thema, denn fast alle Biopiraterie-Patente haben Konzerne und Institute des Nordens in ihren Schubladen während die größte biologische Vielfalt vor allem rund um den Äquator zu finden ist. Aber auch vor unserer Haustür findet Biopiraterie statt: In der Bundesrepublik ist es Bauern und Bäuerinnen verboten, einen Teil der eigenen Ernte wieder auszusäen, ohne Lizenzgebühren an die Zucht-Unternehmen zu zahlen. Immer massiver sichern sich Agrarkonzerne mit geistigen Eigentumsrechten (wie Patente und Sortenschutzrechte) die Kontrolle über Saatgut und gefährden damit unser aller Ernährungsgrundlage.

Sonntag 26.11. 20 Uhr
Eine andere Welt ist pflanzbar 1+2, 2 Filme zu urban gardening in Buenos Aires und Berlin, von Selbstversorgercommunitys und Stadtgärten.
Mit anschliesendem Gespräch mit einem der Filmemacher.

Sonntag 3.12. 20 Uhr
Säen, Pflücken, Ernten
Oft geraten sie in Vergessenheit, die SpargelstecherInnen, WeinpflückerInnen, Kirsch- und PilzpfückerInnen, die Saison für Saison auf Feldern, Obstgärten oder zwischen Weinreben stehen. Jährlich registriert die Bundesagentur für Arbeit über 300.000 Saisonarbeitskräfte, etwa doppelt so viele arbeiten ohne Registrierungen. Die meisten ErntehelferInnen kommen aus Polen; Unterbringung, Entlohnung oder Arbeitsbedingungen sind häufig miserabel. Wie sieht die Situation hier eigentlich aus? Wie gestalten sich migrantische Netzwerke? Gibt es Versuche sich gegen die Arbeitsbedingungen zu organisieren? Wie gehen Gewerkschaften mit temporären ArbeitsmigrantInnen um? Und welche Unterstützungsangebote gibt es noch?

Montag 4.12. 19 Uhr
Utopien in der Landwirtschaft
Wie kann eine Produktion und Verteilung von Nahrungsmitteln aussehen, die eine reale Alternative zur kapitalistischen Produktionsweise darstellt? Mit dem Uhlenkrug (Longo Mai) und der landwirtschaftlichen Kooperative Lokomotive Karlshof, diese stellt ihre Idee und Praxis einer nichtkommerziellen Landwirtschaft vor und will mit Euch über eine Utopie jenseits von Discountern, Bioläden und Fair Trade reden.

Montag 11.12. 19 Uhr
Mit Menschenrechten gegen den Hunger!
Hintergründe, Fallbeispiele und Umsetzungsmöglichkeiten – Diskussion + Film: „Mutter Ganges, hörst du uns?“ mit FIAN e.V.
Jeder Mensch hat das Recht, sich zu ernähren – das haben 151 Staaten mit dem Pakt über wirtschaftliche, soziale und kulturelle Rechte anerkannt. Trotzdem hungern weltweit 850 Millionen Menschen. Ursache dafür ist Entrechtung und Unterdrückung, denn es wird genug Nahrung produziert, um alle Menschen zu ernähren. Wir wollen mit euch diskutieren, wie das Menschenrecht auf Nahrung als Instrument zur Hungerbekämpfung eingesetzt werden kann. Als Grundlage dient der Film „Mutter Ganges, hörst du uns?“, der Menschenrechtsverletzungen in Indien und die Arbeitsweise von FIAN dokumentiert.

Mittwoch 13.12. 19 Uhr
Wasser unterm Hammer (R: Leslie Franke, Hermann Lorenz, D 2005, Doku., 57 Min)
Eine Dokumentation über Strategien und Praktiken der Akteure der Wasser-Privatisierungen und ihre verheerenden Konsequenzen für Mensch und Natur. In unaufgeregten Bildern schildert der Film u.a. Fälle aus London und Berlin, die für Aufregung nicht nur in den Konzernzentralen sorgen. Konnte in Hamburg die geplante Privatisierung der Wasserwerke durch ein erfolgreiches Volksbegehren 2004 vorerst verhindert werden, herrschen in Berlin zwei Global Player über den wertvollen Wasserschatz: der französiche Riese "Veolia" und die zum deutschen RWE-Konzern gehörende "Thames Water".

Sonntag 17.12. 20 Uhr
G8 und Landwirtschaft
Wenn sich im Juni 2007 die Staatschefs der größten Wirtschaftsnationen in Heiligendamm bei Rostock versammeln, werden Tausende dieses Medienereignis nutzen um ihre Kritik an den globalen Verhältnisse deutlich werden zu lassen. Eines der Widerstandsthemen wird die globale Landwirtschaftspolitik sein. Eine Infotour und mehrere Aktionstage vor, während und nach dem Gipfel werden vorbereitet.
Doch was hat eigentlich Landwirtschaft mit dem G8-Treffen zu tun? Was gibt es da zu kritisieren? An welche Widerstandsbewegungen lässt sich anknüpfen? Und was ist konkret geplant?

(cafe-morgenrot.de)

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